Mittelstandsanleihen – ein Auslaufmodell?

Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Mini Bonds als innovative Finanzierungsform für den Mittelstand und gleichzeitig als attraktive Geldanlage für Privatanleger. Mit den massiven Zahlungsausfällen der letzten Jahre ist dieses Anleihesegment jedoch in Verruf geraten. Was ist falsch gelaufen und welche Alternativen gibt es? Hier erfahren Sie mehr.

Kurz nach der Finanzkrise von 2008 schien die Einrichtung eines Anleihesegments speziell für den Mittelstand eine geniale Idee, weil sie Unternehmen die Möglichkeit eröffnete, sich bankenunabhängig zu finanzieren. Zielgruppe für die Mittelstandsanleihen waren vor allem Privatanleger. Die in Fachkreisen auch High Yield Bonds genannten Wertpapiere boten attraktive Renditen in einem Umfeld sinkender Zinsen. Sechs Jahre nach der Emission der ersten Mittelstandsanleihe ist die Euphorie allerdings verflogen. Von den rund 175 Anleihen mit einem Marktvolumen von knapp 7 Mrd. Euro sind mittlerweile fast ein Viertel ausgefallen. Und da innerhalb der nächsten zwei Jahre viele Anleihen fällig werden, erwarten Experten einen weiteren Anstieg der Zahlungsausfälle.

Warum Mittelstandsanleihen so schlecht gelaufen sind

Der wesentliche Grund für die schlechte Performance liegt bereits in der Emission selbst. Viele Unternehmen, die Mittelstandsanleihen ausgegeben haben, hätten für eine solide Finanzierungsstruktur eigentlich Eigenkapital benötigt. Als die hochverschuldeten Firmen dann in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten, waren die festverzinslichen Anleihen viel zu unflexibel und ließen sich kaum oder gar nicht an die neuen Herausforderungen anpassen. Die steigenden Zahlungsausfälle und der zunehmend schlechte Ruf von Mittelstandsanleihen haben mittlerweile auch für gute Emittenten eine Refinanzierung innerhalb dieses Bondsegments fast unmöglich gemacht. Privatanleger sind als Investorengruppe nahezu komplett weggefallen, und nur wenige Mittelstandsanleihen sind auf die Bedürfnisse von institutionellen Investoren zugeschnitten.

 

Mehr Flexibilität – Unitranche statt Mittelstandsanleihe

Ganz aussichtslos ist die Sache jedoch nicht. Immer mehr Unternehmen wenden sich für die Refinanzierung fälliger Mittelstandsanleihen an sogenannte Debt Fonds oder Credit Fonds. Diese Investmentgesellschaften sammeln Geld von privaten und institutionellen Anlegern und finanzieren damit Unternehmen. Häufig nehmen solche Finanzierungen die Form einer sogenannten Unitranche an. Diese Unitranche ist, im Gegensatz zu einer Mittelstandsanleihe, sehr viel flexibler. Dem Unternehmen steht nur ein einzelner Investor gegenüber. Das heißt, die Konditionen können individuell an den Bedürfnissen des Betriebes ausgerichtet werden. Mehr über die Unitranche erfahren Sie in unserem Newsletter „Unitranche – eine für alles“.

 

Eigenkapital aufbessern mit Mezzaninkapital

Institutionelle Investoren verlassen sich, anders als Privatanleger, in der Regel nicht auf Ratingagenturen, sondern führen ihre eigene Due Diligence durch. Das hat auch Vorteile für die Unternehmen. In Zusammenarbeit mit Finanzierungsprofis kann eine Finanzierungsstruktur entwickelt werden, die solide ist und den Herausforderungen der Zukunft entspricht. Möglicherweise ist Fremdkapital gar nicht die richtige Finanzierungsform. Für Unternehmen mit einer hohen Verschuldungsquote könnte Mezzaninkapital eine interessante Alternative sein. Über diese eigenkapitalähnliche Finanzierungsmöglichkeit haben wir bereits in unserem Newsletter „Wie Unternehmen gesund wachsen – Erfolgsfaktor Mezzaninkapital“ berichtet. Wie auch immer Ihr Finanzierungsbedarf aussieht, die Experten von Pallas Capital helfen Ihnen von der Entwicklung einer geeigneten Finanzierungstruktur bis zur Suche nach den passenden Investoren.

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